Anmerkungen, Fragmente, Essays und was mir sonst noch ein- oder auffällt

Mein ältester Freund ist nicht mehr

Seit ich mich erinnern kann - und ich denke, das reicht so bis in mein zartes drittes Lebensjahr zurück - kannte ich diesen, meinen Nussbaum. Nachdem meine Eltern nicht mehr leben, meine Schwester um gut fünfeinhalb Jahre jünger ist als ich und es auch sonst niemandem mehr gibt, an den ich mich im nahen Umfeld noch so weit zurückerinnern könnte, war das also mein ältester Freund. Das Lebewesen, mit dem ich bis heute die längste mir bewusste Zeit geteilt habe.Gestern oder vorgestern, also rund um den 23. oder 24. März wurde er gefällt.Soweit ich weiß, wurde er also um die 97 Jahre alt. Für einen Nussbaum ein stolzes Alter und dennoch hätte er es vielleicht noch einige Jahre gerichtet. Auch wenn einige seiner kräftigen Äste schon etwas morsch waren, wenn seine zernarbte Borke von vielen Jahrzehnten erzählen konnte, die der alte Freund lange Zeit allein auf der weiten Wiese verbrachte.Gepflanzt wurde mein pflanzlicher Wegbegleiter wahrscheinlich so um 1929. Damals wurde auch mein Elternhaus errichtet. Das sogenannte "Augustin-Haus". Augustin deshalb, weil sein Erbauer und erster Besitzer ein Pregartner Gendarm mit Familiennamen Augustin hieß.Gut 60 Meter vom Haus entfernt ließ diese Familie Augustin auch einen Brunnen errichten. Nicht geschlagen, sondern gegraben. Mit fetten Betonrohren geschalt und zehn Meter tief, lag dieser Brunnen inmitten einer Wiese. Und rundherum waren wieder Wiesen und Felder. Pregarten reichte damals noch nicht so weit hinaus und das Augustin-Häusl war eins derjenigen, die am äußersten bebauten Rand des Marktes lagen.

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Dodo, du fehlst unendlich

16 Jahre und 117 Tage wurde mein Dodo alt. Mein tierischer Bruder. Mein engster Freund, der mich ein ganzes Viertel meines Lebens begleitete, seit er im Dezember 2009 mit etwas mehr als eineinhalb Jahren zu mir kam.Er hat viel mitgemacht und erlebt. Als verstoßener Straßenhund in der Slowakei wurde er zum Glück gerettet und entkam der Vergasung in einem dortigen Tierheim. In Österreich ging seine Pflegefamilie auch nicht gerade sorgsam mit ihm um. Er war ein Sensibelchen. Immer schon. Und das schlug sich auch auf seinen Magen.Er hat schwere Magenkrankheiten und Entzündungen überstanden, hing am Infusionstropf. Er hat bravourös einen Tumor und die OP überstanden. Er hat tapfer fast drei Jahre lang gegen eine heimtückische chronische Krankheit gekämpft. Seit mehr als eineinhalb Jahren hörte er leider nicht mehr, wenn man ihn rief. Er war ertaubt. Und am Schluss konnte er sich auch kaum mehr auf den Beinen halten. Beim Fressen tat er sich schwer, dement irrte er manchmal in Winkeln und Ecken herum und fand nicht mehr hinaus, um seine Gschäftln zu erledigen. Aber eins war gewiss: er hat immer gekämpft, war zäh und tapfer. Und dabei auch immer der gutmütigste und zutraulichste Hund, der mir je begegnet ist.Wegen seines süßen Gesichtes und seine freundlichen Schauens meinten viele oft, er wäre noch fast ein Welpe oder ein sehr junger Hund...und tatsächlich hatte er das liebste „G’schau“ zwischen allen Freilaufzonen von Budweis bis Nebraska.In seiner Jugend hat er liebend gern Katzen g’stampert. Nicht grad zu meiner und anderer Freude. Mit meinen Miezen hat er sich dann aber doch arrangiert, auch die Dominanz seiner kleinen Dackel-Terrier-Pinscher Partnerin Julia hat er gentlemen-like hingenommen.Beim Ballispielen und Quitschhenderlfangen ist er fast ausgezuckt vor Freude und Übermut. Seine Lieblingsspiel war das Wurschti-Suchen (versteckte Schinkenstreifen) in allen Winkeln des Hauses. Es genügte das Wort: „Doooodo? Måch ma a Spiel?“ und er hüpfte bellend wie ein Gummiball auf und ab.

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Warum's bei Hamas nix zu relativieren gibt

Der Konflikt in um um Palästina resp. Israel ist nicht nur Jahrtausende alt, sondern entzweit auch immer wieder außenstehende Beobachter:innen. Die Bandbreite zwischen legitimen Befreiungskampf, Ringen um einen (oder gar zwei?) eigene/n Staat/en, Terror und Verbechen bis hin zu offenem oder auch subtil versteckten Antisemitismus könnte kaum größer sein.

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Der inflationäre Wahnsinn

Unsere moderne Seitenblicke-Society – und nicht nur die – zeichnet sich durch zweierlei Unsitten aus: zum Einen nach einem unsäglichen Trieb in jede Kamera zu stieren und dabei möglichst unpassende oder auch nichtssagende, ja peinliche Kommentare abzugeben. Und zum Anderen in einem gefühlt inflationären Umgang mit Superlativen nahe der Psychiatrie.

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Licht ins Dunkel vernebelt die Lüge

Alle Jahre wieder nervt pünktlich mit einsetzender Adventzeit der Jingle von "Licht ins Dunkel". Mit der Fülle an Weihnachtsramsch in den Regalen allenorts wächst auch die Penetranz dieser achso wohlgesonnenen Geldfechterei (Anm. f. Nichtösterreicher_innen: "Fechten" steht ugs. auch als Synonym für Betteln). Aber der Zweck heiligt doch die Mittel???

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Dummheit ist gefährlich

Rund um die Corona-Pandemie, zahlreiche Verschwörungsmythen und die Frage, wie man sich im Diskurs mit sogenannten Skeptiker_innen verhalten solle, gewinnt eine grundlegende Betrachtung auf das Wesen und Unwesen der DUMMHEIT an Brisanz.

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Leckage

Ich hab jetzt – inspiriert durch aktuelle Lebenserfahrungen – beschlossen, ein Kapitel der „Seemannschaft“ (quasi DIE Bibel und DAS Regelwerk für Segler_innen) komplett neu zu schreiben und werd’ es dem Verlag Delius-Klasing zwecks Überarbeitung und Aufnahme für die 33. Auflage zusenden.

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